Drop-Catching bedeutet, eine Domain genau in dem Moment zu registrieren, in dem die Registry sie freigibt. Spezialisierte Dienste schicken dafür über viele Verbindungen gleichzeitig Registrierungsanfragen und schlagen normale Registrare bei begehrten Namen fast immer. Bezahlt wird meist nur bei Erfolg, bei mehreren Interessenten per Auktion.
Jeden Tag werden Domains gelöscht, bei .com wie bei .de. Die meisten vermisst niemand. Ein kleiner Teil ist kurz, allgemein oder hängt noch an Backlinks und Besuchern, und diese Namen sind oft eine Sekunde nach der Freigabe wieder vergeben. Dieses Wettrennen heißt Drop-Catching.
Was ist Drop-Catching?
Drop-Catching ist das Registrieren einer Domain im exakten Moment ihrer Freigabe. Die Domain hat zu diesem Zeitpunkt alle Schutzfristen hinter sich. Bei .de ist das die 30-tägige Redemption Grace Period nach der Löschung, bei .com die Karenzzeit nach dem Ablauf, 30 Tage Redemption und 5 Tage Pending Delete. Danach kann jeder Registrar sie registrieren, und wer zuerst fragt, gewinnt.
Eine Verlosung oder Auktion der Registry gibt es dabei nicht. Die Registry arbeitet eingehende Registrierungsbefehle der Reihe nach ab. Wessen Anfrage als erste ankommt, nachdem der Name frei ist, bekommt ihn.
Wie das Rennen technisch abläuft
Registrare sprechen per EPP mit der Registry. Jeder bekommt eine begrenzte Zahl an Verbindungen und Befehlen pro Sekunde, damit niemand das System flutet. Zum Freigabezeitpunkt kann ein einzelner Registrar also nur eine bestimmte Zahl an Versuchen abschicken.
Drop-Catching-Dienste umgehen das, indem sie viele Registrar-Zugänge betreiben, jeder mit eigenen Verbindungen. Zusammen schaffen sie in den ersten Sekunden weit mehr Versuche als jeder normale Anbieter. Deshalb gewinnt ein gewöhnlicher Registrar ein umkämpftes Rennen praktisch nie.
| Faktor | Normaler Registrar | Drop-Catching-Dienst |
|---|---|---|
| Verbindungen zur Registry | Wenige | Sehr viele, über mehrere Zugänge |
| Timing | Wenn der Kunde klickt | Auf das Freigabefenster abgestimmt |
| Stärke | Unbekannte Namen | Umkämpfte Namen |
| Kosten für dich | Normale Registrierung | Catch-Gebühr, bei Konkurrenz Auktion |
Drop-Catching bei .de
Für .de-Domains gelten eigene Regeln. Eine .de-Domain läuft nicht ab, sie wird gelöscht, entweder auf Wunsch des Inhabers, durch den Anbieter oder nach einem erfolglosen TRANSIT-Verfahren der DENIC. Ab der Löschung zeigt die DENIC-Domainabfrage an, dass sich die Domain in der Karenzphase befindet. Nach 30 Tagen wird sie frei, wenn der bisherige Inhaber sie nicht zurückgeholt hat.
Der Vorteil gegenüber .com: Du siehst den Countdown öffentlich. Der Nachteil: Andere sehen ihn auch, und Catching-Dienste sind auch bei .de aktiv. Hat jemand einen Dispute-Eintrag für die Domain, entfällt die Freigabe ganz, denn dann geht die Domain bei der Löschung direkt an den Dispute-Inhaber.
Domain selbst abfangen
Bei Namen mit wenig Konkurrenz geht es auch ohne Dienst. Der Plan:
- Status prüfen und das Datum der Löschung festhalten.
- Kurz vor und während des erwarteten Freigabetags den Status beobachten.
- Registrieren, sobald die Abfrage „frei“ meldet.
Ein kleines Skript nimmt dir das Beobachten ab. Dieses prüft eine .de-Domain alle zehn Minuten und hört auf, sobald der DENIC-Whois free meldet:
#!/usr/bin/env bash
DOMAIN="beispiel.de"
while true; do
STATUS=$(whois -h whois.denic.de "$DOMAIN" | awk '/^Status:/ {print $2}')
echo "$(date '+%F %T') $DOMAIN: $STATUS"
if [ "$STATUS" = "free" ]; then
echo "Jetzt registrieren."; break
fi
sleep 600
done
Halte das Intervall großzügig. Die DENIC begrenzt Whois-Abfragen und erlaubt die Nutzung nur für technische oder rechtliche Zwecke. Zum Registrieren nutzt du dann die Domain-Suche, oder du automatisierst auch den letzten Schritt über die Domain-API von betadomain. Gegen einen professionellen Catcher verlierst du damit bei begehrten Namen. Für einen alten Vereinsnamen oder eine vergessene Projektdomain reicht es oft.
Drop-Catching-Dienste und ihre Preise
Die meisten Dienste arbeiten nach dem Prinzip „Zahlung nur bei Erfolg“. Du gibst einen Auftrag für einen Namen ab. Fängt der Dienst ihn und bist du der einzige Besteller, zahlst du eine feste Gebühr, die das erste Jahr enthält. Haben mehrere Kunden denselben Namen bestellt, gibt es eine Auktion unter ihnen.
Verlässliche öffentliche Zahlen zu Erfolgsquoten gibt es nicht. Angaben auf den Seiten der Dienste sind Werbung. Sicher ist nur, dass sich die Konkurrenz auf wenige Namen konzentriert. Für die allermeisten gelöschten Domains interessiert sich niemand. Wie ein Vorbestell-Auftrag abläuft, steht unter Domain-Backorder.
Was nach dem Fang zu tun ist
Hast du die Domain erwischt, prüfe zuerst die Daten. Bei .de sollte die DENIC-Abfrage Status: connect zeigen, sobald Nameserver eingetragen sind, und du solltest im Kundenkonto als Inhaber stehen. Hat ein Catching-Dienst die Domain für dich registriert, kläre, ob sie bei dessen Registrar bleibt oder ob du sie per AuthInfo-Code zu deinem Anbieter umziehen kannst.
Danach lohnt ein kurzer Blick auf eingehende E-Mails. Wer die Domain vorher genutzt hat, bekommt dort vielleicht noch Rechnungen, Newsletter oder Kundenanfragen. Richte am besten erst einmal kein Catch-All-Postfach ein, sondern nur die Adressen, die du wirklich brauchst. Und schalte die automatische Verlängerung ein. Eine mühsam abgefangene Domain wegen einer abgelaufenen Kreditkarte wieder zu verlieren, wäre bitter.
Wo Drop-Catching schiefgeht
Eine abgefangene Domain gibt dir keine Rechte über die Registrierung hinaus. Entspricht der Name einer Marke oder dem Namen eines aktiven Unternehmens, drohen Abmahnung und Klage. Dass der Vorbesitzer die Domain hat löschen lassen, ändert daran nichts.
Gelöschte Domains haben außerdem eine Vorgeschichte. Backlinks können aus Spam-Netzwerken stammen, und der Name kann auf E-Mail-Sperrlisten stehen. Schau dir im Internet Archive an, was früher darunter lief. Mehr dazu steht in der Checkliste unter abgelaufene Domains.
Lohnt sich der Versuch?
Für einen Namen, der zu deinem Projekt passt und nicht heiß umkämpft ist: ja. Beobachte ihn selbst und registriere ihn zum Normalpreis, als .de-Domain für 2,99 € im Jahr. Für einen begehrten Namen gibst du einen Auftrag bei einem Catching-Dienst ab, legst ein Auktionslimit fest und hast einen Plan B. Die Fristen bis zur Freigabe stehen unter Wann wird eine Domain frei?.
Domain gefunden? Prüfen und registrieren kannst du sie direkt bei Domain-Preise vergleichen – Jahrespreis ab 2,99 €.
Häufige Fragen
Ist Drop-Catching legal?
Ja. Eine Domain zu registrieren, nachdem die Registry sie freigegeben hat, ist eine ganz normale Registrierung. Problematisch kann sein, was du damit machst: Fängst du einen Namen mit fremder Marke oder fremdem Firmennamen ab, riskierst du Ansprüche nach MarkenG oder § 12 BGB.
Wann wird eine gelöschte .de-Domain frei?
Nach Ablauf der 30-tägigen Redemption Grace Period, sofern der bisherige Inhaber sie nicht zurückgeholt hat. Die DENIC-Abfrage zeigt während dieser Zeit an, dass die Domain gelöscht wurde und sich in der Karenzphase befindet.
Kann ich mit einem normalen Kundenkonto eine Domain abfangen?
Bei Namen, die sonst niemand will, ja, oft sogar Stunden nach der Freigabe. Bei kurzen oder allgemeinen Begriffen hast du kaum eine Chance, weil Catching-Dienste in den ersten Sekunden über sehr viele Verbindungen anfragen.
Was kostet Drop-Catching?
Die meisten Dienste berechnen nur bei Erfolg eine feste Gebühr, die das erste Jahr enthält. Wollen mehrere Kunden denselben Namen, entscheidet eine Auktion. Manche Dienste verlangen eine Gebühr schon für den Auftrag.